20.01.2002 19:00

Verbandsförderung im Bereich erneuerbare Energien in Ostafrika

Die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH kooperieren im Rah­men einer Kammer- und Verbandspartnerschaft (KVP) seit Oktober 2015 mit fünf Verbänden der erneuerbaren Energien in Ostafrika. In den vergangenen Jahren (2012-2014) fanden bereits zwei Kurzmaßnahmen mit verschiedenen Verbänden der erneuerbaren Energie und der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH über sequa in Ostafrika statt.

 

Fakten

Story ID669
ProjekttitelKammer- und Verbandspartnerschaftsprojekt zwischen den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayrischen Wirtschaft (bfz) gGmbH und ausgewählten Verbänden der Erneuerbaren Energien in Ostafrika
KundeBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Laufzeit 01.10.2015 – 30.09.2018
Projektbudget1.077.500,00 EUR
ProgrammKVP + BBP
Region Subsahara-Afrika
LandBurundi
Kenia
Ruanda
Tansania
Uganda
Internationale PartnerBerufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH
Lokale PartnerBurundi Renewable Energy Association
Energy Private Developers
Kenya Renewable Energy Association
Tanzania Renewable Energy Association
Uganda National Renewable Energy and Energy Efficiency Association

Auf den positiven Ergebnissen dieser Maßnahmen wurde eine KVP zwischen den bfz und alten sowie neuen Partnern aus der East African Community (hier Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda ohne Süd-Sudan) aufgebaut. Das Besondere an dieser KVP ist die Mehrländerstruktur als auch der thematische Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien. 

Ausgangssituation / Problemstellung

Afrika ist der Kontinent mit der prozentual geringsten Energie- und Stromversorgung der Bevölkerung: Ungefähr 600 Millionen Menschen leben ohne Zugang zu moder­ner Energie unter Nutzung von Holz und Dung als Heizquelle sowie Kerzen und Öl­lampen als Lichtspender. Der Mangel an Energie beeinträchtigt die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der afrikanischen Länder erheblich, insbesondere im länd­li­chen Raum.

In Ostafrika, d.h. in den Ländern der East African Community (EAC), hat das Wirt­schaftswachstum zu einem stark steigenden Energiebedarf geführt. Obwohl die Re­gierungen und zahlreiche Investoren Projekte in den Bereichen der Solar-, Wind- und Geothermie finanzieren, wird der Alltag in der Region weiterhin von akuten Ver­sorgungsengpässen bestimmt. Hauptprobleme stellen die veralteten und ineffizien­ten Netze und Kraftwerke sowie die hohen Preise für konventionelle Energien dar.

Probleme in den einzelnen Ländern:

Burundi

  • Katastrophale Energieversorgung: nur jeder 25. Einwohner hat Zugang zu Strom
  • Institutionelle Rahmenbedingungen für den Energiemarkt sind kaum vorhanden
  • Mehrwertsteuer für burundische Unternehmen auf Solarprodukte
  • Großer Energiebedarf- hohe Energiepreise

Kenia

  • Nur 30% der kenianischen Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität
  • Nur 5% der ländlichen Bevölkerung Kenias haben Zugang zu Elektrizität
  • Großer Zuwachs an Solaranlagen, jedoch keine nationale Strategie zu erneuerbaren Energien vorhanden

Ruanda

  • Großes Potenzial für erneuerbare Energien, besonders im Bereich Wasserkraft
  • Nur 22% der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität
  • Nur 15% der ländlichen Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität
  • Festlegung der Energieziele im National Energy Policy und Energy Sector Strategy Plan

Tansania

  • Erneuerbare Energien werden nicht von der Regierung unterstützt
  • Staatliche Strategie zu Entwicklung der erneuerbaren Energien befindet sich in Arbeit
  • Einführung eines Einspeisetarifes, allerdings ist dieser wirtschaftlich nicht tragbar

Uganda

  • Erste Erfolge im Energiesektor durch Privatisierung von Stromerzeugung und –verteilung
  • 85%der Bevölkerung (2013) ohne Zugang zur Elektrizität
  • Erzeugungs- und Übertragungskapazitäten können mit wachsender Nachfrage nicht mithalten
  • Strategie für erneuerbare Energien von Regierung (2007): Investitionsplan und Einspeisetarif für Biogas und –masse
  • Hauptsächlich konzentriert sich die Energieinfrastruktur auf die Städte Kampala und Wakiso – außerhalb der Städte gibt es wenig bis keine Energieversorgung

Projektziele und angestrebte Ergebnisse

Oberziel der KVP ist, die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen in dem Sektor erneuerbare Energien nachhaltig zu stärken. Das daraus abgeleitete Projektziel lautet: „Verbände der Erneuerbaren Energien (EE) in Ostafrika vertreten die Belange ihrer Mitglieder kompetent und unterstützen den nationalen und regionalen Know-how-Transfer im Sektor.“

Um die Ziele zu verwirklichen werden folgende Ergebnisse angestrebt:

  1. Ausgewählte nationale Verbände für EE sind in ihrer Leistungskapazität gestärkt.
  2. Die Verbände verfügen über ein ver­bessertes Dienstleistungsangebot, das von ihren Mitgliedern sowie deren Kunden und Partnern nachgefragt wird.
  3. Die nationalen Verbände sind aner­kannter und sichtbarer Dialogpartner und Informa­tionsvermittler für Unternehmen, Politik, Verwal­tung und Öffentlichkeit.
  4. Nationale Verbände nehmen aktiv an länderübergreifenden Diskussionen über Strate­gien und Maßnahmen zu Kernthemen teil.

Wirkungen

Die Gesamtbilanz des Projektes in Bezug auf die angestrebten Ergebnisse ist positiv, da die Verbände als solche gestärkt werden konnten. Der hohe Anspruch des Projektes lag darin, dass es sich um fünf unterschiedliche Partnerländer mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen und politische Situationen handelt sowie Verbänden auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Innerhalb des Projektes konnten zielführende Maßnahmen, zunächst stärker fokussiert auf die einzelnen nationalen Partnerverbände, umgesetzt werden und eine eingespielte Arbeitsroutine auf vertrauensvoller Ebene geschaffen werden.

Die Verbände haben innerhalb des Projektes:

  • Arbeitsfähige Sekretariate aufgebaut bzw. die bereits existierenden verbessert
  • Neue Dienstleistungen entwickelt und sich überregional zu Best Practices ausgetauscht
  • Sich am Dialog zwischen Privatwirtschaft und Regierung in den jeweiligen Ländern beteiligt bzw. Dialogplattformen selber organisiert

Alle fünf Projektpartner berichteten, dass die Interventionen bedarfsgerecht aber auch herausfordernd waren. Ein großer Erfolg des Projektes ist, dass die fünf Verbände der einzelnen Partnerländer zum Ende der 1. Phase einen überregionalen Dachverband gegründet haben („East Africa Renewable Energy Federation“). Dadurch können nationale Belange auf die Ebene der EAC gehoben und somit eine bessere Hebelwirkung u.a. in Bezug auf die politischen Rahmenbedingungen erzeugt werden.

Fortführende Maßnahmen:

Um auf den positiven Ergebnissen der 1. Phase aufzubauen und die (insbesondere finanzielle) Nachhaltigkeit der einzelnen Partnerverbände zu stärken, soll eine zweite dreijährige Phase angeknüpft werden. In dieser wird der Fokus stärker auf der überregionalen Zusammenarbeit liegen, wie es von den fünf Partnern im Rahmen der East Africa Renewable Energy Federation gewünscht wird.

Kontakt

 Matthias Schöneberger
Matthias Schöneberger

+49 (0) 228 98328-22
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