Berufliche Bildung

Ruanda: Einführung des Bachelor Professional und Förderung von Unternehmensgründungen

Im Dezember 2020 startete ein PartnerAfrika-Projekt zwischen der Handwerkskammer (HWK) Koblenz in Zusammenarbeit mit den Studienseminaren Rheinland-Pfalz (RLP) und der Rwanda Polytechnic (RP) sowie der Private Sector Federation (PSF) in Ruanda. Ziel des Projektes ist es, Qualität, Praxisbezug und Arbeitsmarktrelevanz der von ruandischen Partnerinstitutionen angebotenen beruflichen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu verbessern.

Quelle: Matti Tomingas

Ruanda wird häufig als ein Beispielland für die wirtschaftliche Entwicklung in Subsahara Afrika bezeichnet. Trotz der positiven ökonomischen Entwicklung zählt Ruanda weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Laut dem Human Development Index 2018 der Vereinten Nationen gehört Ruanda weiterhin zur Gruppe der gering entwickelten Länder. 40 % der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Der hohe Anteil der in Armut lebenden Menschen gefährdet in Verbindung mit einem wachsenden Gefälle zwischen Arm und Reich die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Die bestehende Ungleichheit, die in Kenia und Uganda regelmäßig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führt, kann potenziell auch in Ruanda die gesellschaftliche Stabilität und Kohäsion gefährden.

Das wirtschaftliche Potential Ruandas konzentriert sich auf die Hauptstadt Kigali, in der knapp die Hälfte aller formellen Unternehmen angesiedelt sind. Ein Drittel aller Firmen ist im Kleingewerbehandel und im Bereich Fahrzeugreparatur tätig. Fast alle lokalen Firmen sind informelle Kleinstunternehmen mit weniger als 4 MitarbeiterInnen sowie nur wenig Wachstumspotenzial. Die Wettbewerbsfähigkeit der kleineren Unternehmen ist häufig niedrig. Ein Großteil der KKMU und KMU kann auf absehbare Zeit keine stabilen Arbeitsplätze schaffen. Obwohl Ruanda mit einem der liberalsten und gründungsfreundlichsten Regelsysteme weltweit ausgestattet ist, kann das Land dennoch bislang keinen Gründungsboom verzeichnen, der Beschäftigung schafft und Armut abbaut.

Außerdem entsprechen die beruflichen Kompetenzen vieler Arbeitssuchender nicht den wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes, dessen Entwicklung von der ruandischen Politik vor allem auch in der Entwicklung eines Digital- und Dienstleistungssektors gesehen wird. Problematisch ist, dass der Bildungsweg Berufsausbildung auch in Ruanda gegen ein allgemein bestehendes Negativimage ankämpfen muss. Das Ergreifen einer Berufsausbildung wird von jungen RuanderInnen bislang vor allem als Notlösung begriffen, die nur dann auszuwählen ist, wenn höhere Bildungswege außerhalb der eigenen intellektuellen oder finanziellen Möglichkeiten liegen. Die Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung ist in Ruanda ein formuliertes Ziel der nationalen Bildungspolitik.

Entsprechend sind die Zielgruppen des Projektes Auszubildende an den IPRCs, die eine Meisterqualifizierung oder den „Bachelor Professional“ anstreben, sowie die Auszubildenden in Unternehmen. Außerdem gehören auch junge RuanderInnen, die sich noch in einer Qualifizierungsmaßnahme befinden und nach Abschluss eine selbständige Tätigkeit aufnehmen wollen, sowie UnternehmensgründerInnen Teil der Zielgruppe. Letztendlich profitieren alle Unternehmen, in denen höher qualifizierte AbsolventInnen beschäftigt werden, und die gesamte Wirtschaft Ruandas von den geplanten Maßnahmen.

 

 

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 Christopher Nowak
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