Berufliche Bildung auf den Philippinen

Ein Projekt der deutschen Bundesregierung zur Förderung der Dualen Beruflichen Bildung in den Philippinen

Die berufliche Ausbildung in den Philippinen ist praxisfern und entspricht nicht dem Bedarf der Wirtschaft. Dies gilt für den Bereich der modernen Wirtschaft sowie für den weitgehend informellen KKMU-Sektor. Junge Filipinos werden im Rahmen ihrer Berufsausbildung unzureichend auf die realen Anforderungen am Arbeitsplatz vorbereitet und sind damit nur eingeschränkt beschäftigungsfähig.

Mit der in 2013 verkündeten "K to 12"-Reform will die philippinische Regierung die Qualität der beruflichen Bildung auf den Philippinen steigern. Durch die Reform wird neben der rein akademischen 11. und 12. Klasse mit naturwissenschaftlichen, sprachlichen oder künstlerischen Profilen nun auch ein technisches, berufsbildendes (tech-voc) Profil angeboten. Auf diese Weise sollen die die Abgänger des berufsbildenden Profils „work ready“ gemacht werden. Dazu strebt die philippinische Regierung eine stärkere Einbeziehung von philippinischen Unternehmen im Ausbildungsprozess an, ohne allerdings passende Konzepte für deren Einbindung oder zur systemischen Integration der Privatwirtschaft in Berufsbildungsgestaltung zu haben.

Das Projekt unterstützt die "K to 12"-Bildungsreform der philippinischen Regierung mit der Pilotierung von dualen Ausbildungsansätzen für die Jahrgangsstufen 11 und 12 ("K to 12") des neuen, berufsbildenden Profils sowie mit dualen, berufsbildenden Angeboten nach der Schule (PLUS-Element). Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist, einen Beitrag zur Erhöhung von Beschäftigungsfähigkeit und Einkommensperspektiven bei Jugendlichen und zur Deckung des Bedarfs der Unternehmen an qualifizierten Berufsanfängern sowie Fachkräften mittleren Niveaus zu leisten.

Das K to 12 PLUS-Projekt ist ein Gemeinschaftsvorhaben deutscher Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, in dem aus sich ergänzenden Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und mit Regierungsinstitutionen ein zusätzlicher Wertzuwachs für das Projekt generiert wird.

Ansprechpartnerin

Dr. Ralf Meier

Client Managerin K to 12 Plus

 

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Öffentlicher Zuschuss

Das Kto12 PLUS-Projekt befindet sich in seiner 2. Projektphase. sequa ist für die Gesamtkoordination und das Wissensmanagement des Projektes verantwortlich.

 

1. Projektphase (01.10.2013 – 30.09.2016)    

  • Budget: 4.147.400,00 €                                                                                     

2. Projektphase (01.10.2016 – 30.09.2019)

  • Budget: 5.204.240,00 €

Projektziele

Philippinische Unternehmen, lokale Kammern, Verbände und Ausbildungseinrichtungen werden bei der Einführung dualer Lehrinhalte in Schule und Betrieb gefördert. Zusätzlich wird der politische Dialog unter stärkerem Einbezug der verfassten Wirtschaft gestärkt, sodass eine bessere Verankerung dualer Ansätze in Gesetzen und Regelungen der beruflichen Bildung in den Philippinen erfolgt.

Ergebnisse der 1. Projektphase:

  • Konkrete Praxisbeispiele für die Einführung dualer Ansätze in der K to 12-Schulreform sind geschaffen (acht Berufsbildungscluster).
  • Erfahrungen aus den insgesamt acht Berufsbildungsclustern sind dokumentiert.
  • Kammern und Verbände und deren Mitglieder haben eine aktivere Rolle bei der Gestaltung der dualen Ausbildung wahrgenommen.
  • Gründung von Berufsbildungsgremien bei den Partnerkammern und -verbänden sowie der Human Resource Development Foundation bei PCCI. Damit wurden Berufsbildungsthemen in den Kammern und Verbänden erstmals verankert.
  • Studien, z. B. zu den Kosten und Nutzen der beruflichen Bildung für Unternehmen in verschiedenen Regionen der Philippinen wurden durchgeführt.

 

Anvisierte Ergebnisse der 2. Projektphase:

  • 220 Absolventen haben die 12. Klasse abgeschlossen.
  • 100 betriebliche Ausbilder/innen sind weitergebildet.
  • Absolventen der vom Projekt entwickelten Berufsausbildungen erhalten zusätzlich Zertifikate der philippinischen Kammern.
  • Verbreitung der Erfahrungen des Projekts mit dem Aufbau von weiteren Berufsbildungsclustern.
  • Vergleichsstudien belegen eine signifikant höhere Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen.
  • Philippinische Kammern und Verbände haben mindestens zwei Reformvorschläge durchgesetzt.
  • Modelle für nachhaltige Finanzierung der Berufsbildungsangebote werden umgesetzt.

Partner

Das K to 12 PLUS-Projekt ist ein Gemeinschaftsvorhaben von der AFOS-Stiftung für unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit (AFOS), der Auslandshandelskammer (AHK) Philippinen, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Sparkassenstiftung, der sequa und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Die komplementären Vorteile der unterschiedlichen deutschen Partner werden genutzt, um eine Erhöhung von Praxis- und Bedarfsorientierung der beruflichen Bildung in den Philippinen zu fördern.

Kooperationspartner in den Philippinen sind die Philippine Chamber of Commerce and Industry (PCCI), die Cebu Chamber of Commerce and Industry (CCCI), der Minanao Microfinance Council sowie weitere philippinische private und staatliche Organisationen und Unternehmen.

Deutsche Partner

Lokale Partner

Projektaktivitäten

sequa

sequa übernimmt in diesem Gemeinschaftsvorhaben die Gesamtkoordination. Dazu arbeitet sequa gemeinsam mit insgesamt fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der von der Philippine Chamber of Commerce and Industry (PCCI) gegründeten „Human Resources Development Foundation, Inc.“ (HRDF), die sich zusammen mit sequa ein Büro in den Räumen der PCCI teilt.
Die Gründung dieser Stiftung durch PCCI ist ein wichtiges Ergebnis des Projektes und entscheidend für die Nachhaltigkeit der Projektwirkungen. Die Gesamtkoordination erfolgt im Kern durch das philippinische Steuerungskomitee, in dem neben sequa und PCCI/HRDF auch die GIZ, die AFOS-Stiftung, die Cebu Chamber of Commerce & Industry (CCCI), die AHK Philippinen und die Sparkassenstiftung vertreten sind. Hier werden in vierteljährlichen Sitzungen Projektplanungen, -ideen, -fortschritte und -budget besprochen und festgelegt.
Darüber hinaus beraten sequa’s Experten PCCI/HRDF und erarbeiten Konzepte, wie duale Berufsbildung in den Philippinen unter Beteiligung des Privatsektors und anderer Stakeholder finanziell nachhaltig angeboten und beschäftigungsrelevant weiterentwickelt werden kann.
sequa hat zudem die Entwicklung eines ganzheitlichen und wirkungsorientierten Monitoringsystems initiiert und mit allen Projektpartnern abgestimmt. Dieses erfasst sämtliche Projektaktivitäten und Ergebnisse und informiert die beteiligten Partner und weitere Stakeholder über Projektfortschritte. Gleichzeitig liefert das Monitoringsystem wertvolle Hinweise für Koordinationsbedarf und mögliche Synergieeffekte, die sich aus der Zusammenarbeit der verschiedenen Partner der Entwicklungszusammenarbeit und des Privatsektors in diesem Gemeinschaftsvorhaben ergeben.

GIZ

Seit Projektbeginn ist die GIZ als Konsortialpartner an dem K to 12 PLUS beteiligt. Schwerpunkt der Beratungsleistung der GIZ ist die Politikberatung. Hierbei werden zwei Hauptansätze verfolgt.

Zum einen wird ein Dialog mit dem Department of Education unterstützt. Die verschiedenen Cluster des Projektes haben jeweils unterschiedliche Projektimplementierung abhängig von dem Industrie Sektor und der Region. Die GIZ unterstützt das Projekt bei den Gesprächen mit dem Department of Education dies in den entsprechenden Verwaltungsvorschriften zu verankern.

Zum anderen unterstützt die GIZ die Projektpartner (Kammern und Wirtschaftsverbände) eine qualifizierte Position in der Diskussion um die berufliche Bildung in den Philippinen zu entwickeln. Dies geschieht zum einen durch die Kommentierung von existierenden Gesetzesvorhaben. Zum anderen wird mit Unterstützung deutscher Experten ein Positionspapier entwickelt, dass es den Projektpartner ermöglicht in der politischen Diskussion die Interessen der Privatwirtschaft in der beruflichen Bildung zu verdeutlichen.

ZDH

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) steuert seine Expertise als Kooperationspartner der deutschen Wirtschaft zu K to 12 PLUS bei. sequa vertritt den ZDH in den Philippinen und koordiniert mir ihm den Einsatz von ZDH-Experten.
Einen Maßgeblichen Beitrag zum Projekt leistete der ZDH hinsichtlich der Entwicklung von „In-company Trainer“-Kursen auf der Grundlage regionaler Standards für die Philippinen. Es wurden 25 Master-Trainer geschult. Diese haben inzwischen 97 Supervisor in den Ausbildungsbetrieben der Pilotcluster zu In-company Trainern ausgebildet.
Als Reaktion auf die besonderen Bedarfe von KKMU hat der ZDH die Entwicklung eines e-Learning Programms namens „Training of In-company Trainer“ in Auftrag gegeben. Die Einführung des e-Learning Programms wird die Teilnehmer/innen der betrieblichen Ausbildertrainings besser auf die anschließenden Präsenstrainings vorbereiten und die Dauer der letzteren reduzieren. Damit wird die Bereitschaft der beteiligten KKMU gefördert, ihre Mitarbeiter/innen an einem In-company Training teilnehmen zu lassen.
Der ZDH unterstützt zudem die Entwicklung einer Toolbox, die die Replikation der dualen Ansätze erleichtern soll. Diese Toolbox enthält Vorlagen wie z. B. Berichtshefte und Trainingspläne, mit deren Hilfe das Erreichen vorgegebener Kompetenzen dokumentiert wird.

AHK Philippinen

Als Kooperationspartner der Wirtschaft des Kto12 PLUS-Projektes betreut die Auslandshandelskammer (AHK) Philippinen die metallverarbeitende Industrie. In einem Teilprojekt arbeitet die AHK mit zwei lokalen Industrieverbänden und einer Schule in San Pedro, Luzon, zusammen. Ziel ist es, Schülern praxisorientiert die Fähigkeiten beizubringen, die auf dem Arbeitsmarkt relevant sind. Dies verbessert die Einstellungschancen der Absolventen und trägt zur Fachkräftesicherung lokal ansässiger Unternehmen bei.
Konkret unterstützt die AHK Partnerfirmen und Schule bei der Entwicklung und Implementierung eines industrierelevanten Lehrplans und der Strukturierung des Praxisanteils nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems. Gleichzeitig berät die AHK lokale Wirtschaftskammern und Industrieverbände im Rahmen des Kto12 PLUS-Projektes, um ihre zentrale Rolle in der Berufs- und Weiterbildung besser wahrnehmen zu können. Dazu gehört unter anderem die Verbreitung qualitätssichernder Elemente der Berufsbildung, wie die Ausbildung von Ausbildungspersonal.

AFOS-Stiftung

Die AFOS-Stiftung für unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit ist eine selbständige, gemeinnützige Stiftung, die von Mitgliedern des Bund Katholischer Unternehmer e. V. (BKU) in 2003 gegründet wurde. Der BKU unterstützt seit 2010 die Cebu Chamber of Commerce and Industry (CCCI) sowie weitere Kammern und Verbände in den Visayas, Philippinen.
Im Rahmen des K to 12 PLUS-Vorhabens setzt die AFOS-Stiftung in Cebu Berufsbildungscluster in drei Sektoren um: (1) Bauwesen, (2) Lebensmittelherstellung und (3) Tourismus.
Jedes Pilotcluster verfolgt einen dualisierten Ausbildungsansatz mit 60% der Ausbildungszeit in Unternehmen sowie 40% der Zeit im Klassenzimmer. Die aktive Teilnahme von Kammern, Verbänden, Unternehmen und Schulen in den Clustern stellt sicher, dass die Lehrpläne für die Bedürfnisse und Gegebenheiten der jeweiligen Branche relevant sind.
Im April 2017 verließen 93 Absolventinnen die 12. Klassen der Pilotcluster. Seit 2018 werden in den Pilotclustern Bau- und Lebensmittelindustrie sogenannte "PLUS-Elemente" umgesetzt. Diese bieten eine optionale Fortbildung nach dem 12. Schuljahr für Absolventinnen und Absolventen, die sich spezialisieren wollen. Die PLUS-Elemente schließen mit einem Kammerzertifikat ab.
Aktuell unterstützt die AFOS-Stiftung CCCI bei der Einführung des ACAS, einer Datenbank zur Akkreditierung und Zertifizierung von Schülern/-innen, Arbeitnehmern/-innen, Ausbildern/-innen, Schulen und Unternehmen.

Sparkassenstiftung

Ziel der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation ist es, das Erfolgsmodell der Sparkassen aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländer zu übertragen, um den Menschen vor Ort Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und damit zu Wohlstandentwicklung und stabilen wirtschaftlichen Strukturen beizutragen.
Training und Personalentwicklung sind integrale Bestandteile aller Projekte der Sparkassenstiftung. Dabei werden erfolgreiche Konzepte auf vorhandene lokale Bildungsstrukturen übertragen.
Im Rahmen des Gemeinschaftsvorhabens Kto12 Plus implementiert die Sparkassenstiftung die Komponente „Finance Dualized Education“ (FDE) und verantwortet somit die Einführung der dualen Ausbildung im Mikrofinanzsektor des Landes.
Neben der Identifikation und Auswahl von Dachverbänden, Mikrofinanzinstitutionen und Schulen zur Bildung von Ausbildungsclustern geht es vor allem um die Ausarbeitung von Lehrplänen und Lehrbüchern für die Ausbildungsgänge „Mikrofinanz“, „Buchhaltung“ und „Mikroversicherung“ sowie die Ausbildung der betrieblichen und schulischen Ausbilder/-innen. Aktuell liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Einbeziehung der Mikrofinanzverbände in die duale Ausbildung, um diese nachhaltig in den Strukturen des Finanzsektors zu verankern.

GIZ-Entwicklungshelfer

Seit September 2015 unterstützt ein GIZ-entsandter Entwicklungshelfer PCCI/HRDF beim Aufbau des K to 12-Pilotclusters in Laiya, Luzon. Laiya ist ein schnell wachsender Tourismusort und liegt drei Autostunden südlich der Metropole Manila am Meer.
Ein Memorandum of Understanding zwischen HRDF, der Schulbehörde DepEd, der Berufsbildungsbehörde TESDA und dem lokalen Hotelverband (ALRO) legte zu Beginn den Fokus auf ein Pilotcluster im Gastgewerbesektor. Mit seiner Expertise im Hotel- und Restaurant-Bereich sowie der dualen Ausbildung in Deutschland verknüpft der Entwicklungshelfer den standardmäßigen Lehrplan des philippinischen Department of Education (DepEd) für die Klassen 11 und 12 mit 800 anstatt 80 geplanten Ausbildungsstunden. Die Berufsvorbereitung findet in den Bereichen der Hotelreinigung, dem Restaurant und der Rezeption statt. Dazu wurden Lehrer/innen der 11. und 12. Klasse sowie 41 Ausbilder/innen in den Unternehmen des Gastgewerbes weitergebildet.
In regelmäßig stattfindenden Koordinationstreffen zwischen Unternehmen, Schule, dem lokalen Hotelverband und der Kammer wird der Ausbildungsfortschritt überprüft und der Lehrplan für die Schüler/innen synchronisiert, die das Erlernte in ihrem Berichtsheft festhalten. Inzwischen haben 155 Schüler/innen die Gymnasialstufe abgeschlossen und 97 Schüler/innen haben ein zusätzliches Kammerzertifikat „Hotel und Restaurant Services“ von PCCI/HRDF erhalten. Weitere 123 Schüler/innen befinden sich momentan in der 12. Klasse. 157 Schüler/innen sind in der 11. Jahrgangsstufe des K to 12 PLUS Clusters in Laiya.

Projektstandorte